Kinoabend und Podiusmdiskussion zur “Operation Condor” waren Publikumsmagneten der Nunca Mais Brasilientage

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Es waren die Veranstaltungen zur “Operation Condor”, die in Berlin unter den Einzelveranstaltungen der Nunca Mais Brasilientage das meiste Publikum anzogen. Etwa 250 Besucherinnen und Besucher wolltem mehr wissen über die Operation, im Rahmen derer Geheimdienste und Militärs der lateinamerikanischen Diktaturen in den 70er Jahren  des 20. Jahrhunderts bei der grenzübergreifenden Verfolgung und Eliminierung Oppositioneller eng zusammengearbeitet hatten.

Bereits 2007 war Roberto Maders Film “Condor” in die brasilianischen Kinos gekommen, in Deutschland wurde er am 2. April uraufgeführt. An Aktualität hatte der Film nichts verloren, besonders die Interviews mit Pinochets Sohn (“es gab keine Alternative zum Putsch 1973”) und mit dem “Gründer” der Operation, Manuel Contreras, haben historische Bedeutung. Dreist schob Contreras die gesamte Schuld an den von seinem Geheimdienst DINA ausgeführten Morden der CIA in die Schuhe und berief sich auf Befehlsnotstand.

Die am nachfolgenden Tag stattfindende Podiumsdiskussion im Iberoamerikanischen Institut fragte nach Ursprüngen und Hintergründen, nach Aufarbeitung und neueren Erkenntnissen zu diesem transnationalen staatsterroristischen Netzwerk. Schon vor dem Gründungsjahr 1975 gab es eine Zusammenarbeit der Geheimdienste. In der Ausbildung über Foltertechniken, der logistischen Unterstützung der Staatsstreiche (Bolivien 1971, Chile 1973, Uruguay/Argentinien 1976) bis hin zur Entführung und Ermordung “Subversiver” waren immer auch brasilianische Militärs mit ihrer „dienstältesten“ Diktatur präsent und dabei aber stets auf ein gutes Image im Ausland bedacht.

Aus der Perspektive Argentiniens, Brasiliens und Chile wurden Gräueltaten ebenso wie die spätere Aufarbeitung von Menschenrechtsverbrechen beleuchtet: der brasilianische Schriftsteller und Journalist Dr. Flavio Aguiar ging auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Staatsstreiche ein  (Brasilien als „Entwicklungsdiktatur“) und analysierte, warum die brasilianische Aufarbeitung der Geschichte im Vergleich zu Argentinien oder Chile nachhinkend und weniger intensiv von statten geht. Zu stark seien die Militärs bis heute im Sattel. Unrechtsbewusstsein hätten sie bis heute nicht. Im Gegenteil sähen sie sich noch immer als Retter und Wohltäter der Nation. Andererseits sei der Druck zu schwach und das Interesse der Zivilgesellschaft an einer Strafverfolgung der Militärs zu gering.

Die 1. Vorsitzende des FDCL und Rechtsanwältin Petra Schlagenhauf suchte in ihrem Beitrag unter anderem nach deutschen Verbindungen zu der Operation und benannte dabei die Colonia Dignidad. Hauptvorwurf an die damalige Bundesregierung: sie sei sehr gut über die Machenschaften der Geheimdienste und Todesschwadronen informiert gewesen und hätte aus reinem Wirtschaftsinteresse heraus nichts beziehungsweise zu wenig unternommen.

Wolfgang Kaleck und Petra Schlagenhauf bei der Podiumsdiskussion "Die langen Schatten der Operation Condor in Argentinien, Brasilien und Chile" am 3.4.2014 in Berlin

Wolfgang Kaleck und Petra Schlagenhauf bei der Podiumsdiskussion “Die langen Schatten der Operation Condor in Argentinien, Brasilien und Chile” am 3.4.2014 in Berlin

Dr. Hansch, Präsident der Alexander-von-Humboldt-Gesellschaft Berlin, war als Attaché in der Zeit der argentinischen Militärdiktatur an der DDR-Botschaft in Buenos Aires tätig. Sein Anliegen war es, die Rolle der USA bei den zahlreichen Putschs im 20. Jahrhundert herauszustellen. Der Berliner Menschenrechtler und Snowden-Anwalt Wolfgang Kaleck drängte darauf, den Blick über die Operation Condor hinaus auf den Kontext und die gegenwärtige Phase der Aufarbeitung zu richten. Beispielhaft gelänge die Aufarbeitung der staatsterroristischen Phase in Argentinien, wobei die Zivilgesellschaft eine herausragende Rolle spiele, unterstrich Kaleck.  Aus dem Publikum gab es später Ergänzungen zu den Menschenrechtsverletzungen durch die Operation Condor in Bolivien, Peru und Uruguay.

Auch wenn auf das Konto der Operation Condor vergleichsweise wenige Morde gingen, so bietet das Thema heute doch aufgrund seines grenzübergreifenden Ansatzes die “Chance” zu einer grenzübergreifenden Strafverfolgung. Gespannt darf man auf die Ergebnisse der derzeitig laufenden Großprozesse zur Operation Condor in Buenos Aires und in Rom sein. Das Kapitel ist noch nicht abgeschlossen. Viele Opfer und Angehörige warten noch immer auf Recht und Gerechtigkeit.

Beide Veranstaltungen organisierte und moderierte Werner Würtele vom Lateinamerika-Forum e.V. im Rahmen der Nunca Mais Brasilientage.

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